Seelandschaft. Foto: Bundesnetzagentur

Wasser

Wasser ist ein wertvolles Gut und die Lebensgrundlage aller Organismen. Es tritt als Oberflächenwasser, Grundwasser und atmosphärisches Wasser in Erscheinung.

Wasser hat vielfältige Umweltfunktionen und ist Naturkörper, landschaftsprägendes Element und übernimmt klimatische Regelungsfunktionen. Es unterliegt als Teil der Umwelt einer Vielzahl natürlicher Prozesse und umfasst sowohl die oberirdischen Gewässer als auch das Grundwasser. Wasser übernimmt unter anderem wichtige natürliche und gesellschaftliche Leistungen und Funktionen:

  • Lebensgrundlage und -raum für Menschen, Tiere und Pflanzen
  • Energiegewinnung und -speicherung (zum Beispiel in Wasserkraftwerken oder Pumpspeichern)
  • Transportmedium
  • Landschaftselement

Durch den Bau, die Anlage und den Betrieb von Höchstspannungsleitungen können Auswirkungen auf das Schutzgut Wasser entstehen, die je nach technischer Ausführung (Freileitung oder Erdkabel) unterschiedlich ausfallen können. Während beim Freileitungsbau punktuelle Eingriffe für den Mastbau vorgenommen werden, sind bei einer Erdverkabelung linienhafte und deutlich umfangreichere Tiefbaumaßnahmen notwendig, bei denen in der Regel auch stärkere Auswirkungen auf das Schutzgut Wasser zu verzeichnen sind (zum Beispiel temporäre Grundwasserhaltung, die unter anderem zu einer vorübergehenden Grundwasserabsenkung führen kann).

Im Rahmen von Umweltprüfungen wird daher geprüft, welche Auswirkungen auf das Schutzgut Wasser durch den Bau und Betrieb von Höchstspannungsleitungen zu erwarten sind.

Stand: 08.06.2016

Baubedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Während der Bauphase von Freileitungen besteht die Möglichkeit, dass Gründungsmaßnahmen den Grundwasserleiter und die Deckschicht dauerhaft verändern. Hierdurch kann das Grundwasser negativ beeinflusst werden.

Bei Oberflächengewässern ist die Errichtung von Maststandorten, Baustelleneinrichtungsflächen oder Fahrwegen in der Regel im Gewässerrandstreifen nicht zulässig. Für die Konkretisierung eines ausreichenden Abstands sind rechtlich vorgeschriebene Abstände zu Gewässerufern einzuhalten.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass bei der Aufstellung von Masten in Überschwemmungsgebieten Auswirkungen auf den Hochwasserabfluss durch die Lagerung von Baumaterialien erfolgen können. Solchen Risiken kann durch festgeschriebene Vorsorgemaßnahmen in den Nebenbestimmungen eines Planfeststellungsbeschlusses entgegengewirkt werden.

Die Wirkungen der Bauphase von Erdkabeln auf das Grundwasser entsprechen grundsätzlich jenen der Freileitungen. Sie sind jedoch aufgrund der deutlich umfangreicheren Tiefbauarbeiten in der Regel größer. So sind auch temporäre Baugrubenwasserhaltungen mit den oben beschriebenen Wirkungen in größerem Umfang zu erwarten.

Anlagebedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Die Anlage von Masten einer Freileitung sowie die Zufahrten zu diesen können sich auf die Grundwasserneubildung auswirken. Durch versiegelte Flächen kann beispielsweise in den Bereichen der Mastfüße die Grundwasserneubildung verringert sein. Allerdings ist aufgrund der geringen Flächenversiegelung in der Regel mit geringen Auswirkungen auf die Grundwasserneubildung zu rechnen.

Ferner sind je nach örtlichen Gegebenheiten kleinräumige Veränderungen der Grundwasserströme möglich. Aufgrund der geringen Fundamentgrößen wird jedoch davon ausgegangen, dass keine nachhaltigen Wirkungen für die Grundwasserdynamik entstehen. Großflächige Veränderungen der Grundwasserströmungen sind nicht zu erwarten, da das Wasser die Fundamente umströmen kann.

Neben dem möglichen geringfügigen Einfluss von Mastfundamenten sowie Zufahrten auf die Grundwasserneubildung, kann diese auch durch die Einrichtung von Schneisen standörtlich beeinflusst werden. So führt beispielsweise eine Waldschneise dazu, dass die Wasserspeicherfunktion des Waldes lokal zurückgeht. Ein dadurch verändertes Grundwasserdargebot kann eine Grundwasserabsenkung mit sich bringen. Ebenso ist eine punktuelle Verhinderung einer natürlichen Auenentwicklung nicht auszuschließen.

Für die Anlage von Maststandorten in Überschwemmungsgebieten ist zu gewährleisten, dass diese die Hochwasserrückhaltung nur unwesentlich beeinträchtigen. Zudem dürfen der Wasserstand und der Abfluss bei Hochwasser nicht nachteilig verändert werden.

Eine (Teil-)Rückverschließung von Kabelgräben mit anderem als vor Ort entnommenem Material verändert den natürlichen Fluss des Grundwassers, sofern der Kabelgraben zumindest zeitweise im Grundwasser liegt. Dies kann je nach Anlage des Kabelgrabens im Verhältnis zur Grundwasserfließrichtung und je nach verwendetem Material zur Hemmung des natürlichen Grundwasserflusses und der Grundwasserneubildung führen, wodurch Austrocknungen in der Nähe von Quellen oder Feuchtgebieten stattfinden können.

Betriebsbedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Bei der Wartung bzw. Renovierung alter Masten von Freileitungen sollten Vorsorgemaßnahmen gegen Schadstoffeinträge (zum Beispiel bei der Ablösung der alten Anstriche) getroffen werden sowie für neue Anstriche schadstoffarme Komponenten verwendet werden. Diese und weitere Vorsorgemaßnahmen können wiederum durch Auflagen in einem Planfeststellungsbeschluss festgehalten werden.

Der Betrieb der unterirdischen Kabeltrassen führt zu Wärmeemissionen, die auch das Grundwasser betreffen, sofern die Kabel zumindest zeitweise im Grundwasser liegen. Unklar sind die qualitativen Auswirkungen der Wärmeemissionen auf die Oberflächengewässer.