fliegender Reiher. Foto: Bundesnetzagentur

Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt

Tiere und Pflanzen sind Teil der biologischen Vielfalt insgesamt. Diese umfasst die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten einschließlich der genetischen Vielfalt sowie die Vielfalt an Formen von Lebensgemeinschaften und Biotopen.

Bei den Tier- und Pflanzenarten wird unterschieden in einzelne Individuen und ganze Populationen, also Lebens- und Fortpflanzungsgemeinschaften von mehreren Individuen derselben Art. Das Zusammenspiel verschiedener Arten an einem Standort mit all seinen anorganisch-physikalischen Umwelteigenschaften (zum Beispiel Boden und Wasser) wird Ökosystem genannt. Zwischen allen Bestandteilen des Ökosystems bestehen dabei enge Wechselbeziehungen. Werden beispielsweise die Bodenbeschaffenheit oder der Grundwasserstand durch ein Vorhaben verändert, so kann dies auch Auswirkungen auf die Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten oder die Artenzusammensetzung an einem Standort haben.

Die Auswirkungen von Stromleitungen auf Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt werden grundsätzlich in drei Kategorien unterschieden: sie entstehen beim Bau einer Höchstspannungsleitung, durch die Anlage selbst (beispielsweise die Masten oder Leiterseile) und später durch ihren Betrieb (zum Beispiel Wartungs- und Pflegemaßnahmen). Betrachtet werden die Auswirkungen von Freileitungen, Erdkabeln und Seekabeln. Eine generelle Aussage über die Umweltverträglichkeit der verschiedenen technischen Optionen kann nicht getroffen werden. Ein Erdkabel kann beispielsweise von Vorteil für Zugvögel sein, die durch oberirdische Bauwerke einem Kollisionsrisiko ausgesetzt wären, aber von gravierendem Nachteil für Feuchtlebensräume, die dauerhaft durch Grundwasserabsenkung beeinträchtigt werden können. Bei Erdkabeln sind die Eingriffe in die Natur insbesondere in der Bauphase langwierig und umfangreich, während der Freileitungsbau von sehr viel kürzerer Dauer ist und einen deutlich geringeren Flächenbedarf hat. Was aus Naturschutzsicht die günstigste Option ist, muss folglich jeweils im Einzelfall entschieden werden.

Stand: 08.06.2016

Baubedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Während der Bauphase kann das Schutzgut Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt vom Leitungsbau, sowohl beim Bau einer Erdkabeltrasse als auch beim Freileitungsbau, durch die Zerstörung bzw. Beschädigung von Pflanzen und die Tötung bzw. Verletzung von Tieren infolge der Trassenfreiräumung betroffen sein. Ebenso kann es während der Bauphase zu Grundwasserabsenkungen und Bodenverdichtung kommen, die wiederum Auswirkungen auf Flora und Fauna nach sich ziehen. Insbesondere die für den Bau von Erdkabeln erforderlichen Tiefbauarbeiten mit umfangreicher Baugrubenwasserhaltung bzw. Grundwasserabsenkung und Verdichtung führen zu teils temporären, teils dauerhaften Standortveränderungen.
Durch die Emission von Lärm, Licht, Erschütterung und Staub während der Bauphase können verschiedene Tierarten (zum Beispiel Vögel und Fledermäuse) teilweise erheblich gestört und ggf. sogar vergrämt werden.

Anlagebedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Unter den anlagebedingten Auswirkungen ist die Vogelkollision mit Freileitungen, insbesondere mit dem zuoberst angeordneten, vergleichsweise dünnen und dadurch weniger sichtbaren Erdseil, eine bedeutsame. Schlecht manövrierfähige Groß- und Wasservögel sind davon besonders betroffen.
Des Weiteren spielen dauerhafte Standortveränderungen und -verluste bzw. Beeinträchtigung von Lebensräumen, die Beschädigung bzw. der Verlust von Entwicklungsformen und die Erschwerung oder Verhinderung von Biotopvernetzung eine Rolle. So kann beispielsweise eine Entwertung von Brut-, Rast- und Nahrungshabitaten erfolgen, wenn diese durch eine Erdkabel- bzw. Freileitungstrasse zerschnitten oder aufgrund oberirdischer Bauwerke gemieden werden.

Betriebsbedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Räumliche und strukturelle Veränderungen durch Höchstspannungsleitungen ergeben sich vor allem dort, wo Schneisen entstehen, die unter anderem zu Wartungszwecken offen gehalten werden müssen, und wo schützenswerte Gebiete oder Gewässer gequert werden. Dies betrifft Erdkabel und Freileitungen gleichermaßen. Denn nicht nur Freileitungsschutzstreifen, sondern auch Erdkabeltrassen müssen von hochwachsendem bzw. tiefwurzelndem Bewuchs freigehalten werden und hinterlassen so deutlich sichtbare Schneisen, insbesondere im Wald.
Die entsprechenden Pflegearbeiten können immer wieder zu einer lokalen Zerstörung bzw. Beschädigung von Pflanzenbeständen und somit zu einer Lebensraumbeeinträchtigung, zur Tötung bzw. Verletzung von Tieren und/oder ihrer Entwicklungsformen führen. Verglichen mit den Bauarbeiten ist das Ausmaß allerdings wesentlich geringer einzuschätzen.
Während der Betriebsphase von Erdkabeln ist in Abhängigkeit von der Größe des Leiterquerschnitts, thermischen Eigenschaften von Bettungsmaterial und Boden sowie insbesondere der Auslastung des Kabels eine Wärmeeinwirkung auf den Boden möglich, die kleinräumig Vegetation und Bodenlebewesen beeinflussen kann.