Blumenwiese vor einem Wald. Foto: Bundesnetzagentur

Landschaft

Landschaften sind Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen, vielfältiger Erholungs- und Identifikationsraum sowie räumlicher Ausdruck des kulturellen Erbes.

Landschaften sind dynamische Beziehungs- und Wirkungsgefüge und entwickeln sich aufgrund natürlicher Faktoren wie Boden, Wasser, Luft, Licht, Fauna und Flora im Zusammenspiel mit der menschlichen Nutzung und Gestaltung durch zum Beispiel Bauten oder Bewirtschaftung.

Aufgrund der natürlichen und der menschlichen Einflüsse wandeln sich Landschaften ständig. Veränderungen in der Landschaft werden vornehmlich als Veränderungen des Erscheinungsbildes, des Landschaftsbildes, durch den Menschen wahrgenommen.

Unter dem Begriff Landschaftsbild wird gemeinhin die äußere, mit allen Sinnen wahrnehmbare Erscheinung von Natur und Landschaft verstanden. Diese Eindrücke sind subjektiv, da im Prozess der Wahrnehmung zahlreiche Informationen zu einem persönlichen Gesamtbild verknüpft werden und somit Sinnzusammenhänge hergestellt werden, wie beispielsweise raumgebundene Orientierung und Identifikation. Auch ein Wechsel des Betrachterstandortes führt zu einer geänderten Wahrnehmung von Landschaft.

Um Landschaft als Schutzgut zu erfassen, werden zum einen Faktoren wie Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert der Landschaft beurteilt, die schwer objektivierbar sind. Zum anderen ist auch der Grad der Naturnähe wie auch die kulturhistorische Qualität zu beurteilen. Im Folgenden werden speziell die Auswirkungen einer Höchstspannungsleitung auf die Landschaft differenziert nach technischer Ausführung (Freileitung oder Erdkabel) für den Bau, die Anlage und den Betrieb betrachtet:

Stand: 08.06.2016

Baubedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Der Baustellenbetrieb ist für die Dauer der Bauphase aufgrund von Geräusch-und Abgasemissionen eine Quelle der Störung, die sich in der Umgebung der Baustandorte negativ auf das Landschaftserleben auswirken kann. In Siedlungsnähe kann das Ortsbild durch Baumaßnahmen beeinträchtigt werden.

Da zu Maststandorten von Freileitungen, die sich abseits von bestehenden Wegen und Straßen befinden, Zufahrten angelegt werden müssen, können sich Vegetationsschäden ergeben, die über die Dauer der Bauphase hinaus bestehen.

Gegebenenfalls entstehen dadurch bei der Querung von geschlossenen Gehölzbeständen sichtbare Schneisen oder in linearen Gehölzbeständen (zum Beispiel Baumreihen, Alleen, Baumhecken) auch Lücken, die sich negativ auf das Erscheinungsbild dieser Strukturen auswirken und die im Landschaftsbild wahrgenommen werden. Punktuell lassen sich ggf. auch Verluste von landschaftsbildprägenden Einzelbäumen und Baumgruppen nicht vermeiden.

Da entlang von Erdkabeltrassen Baustraßen angelegt werden müssen, ergeben sich seitlich der Verlegetrasse Vegetationsschäden bzw. -veränderungen, die mit Standortveränderungen durch Verdichtung einhergehen und die über die Dauer der Bauphase hinaus fortbestehen können. Bei der Zerstörung schwer regenerierbarer Biotope kann es aufgrund der veränderten Artenzusammensetzung zu einer anhaltenden Sichtbarkeit der Trasse in der Landschaft kommen und damit zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Vor allem in Waldgebieten wirkt sich der Verlust landschaftsprägender Gehölzstrukturen auf das Landschaftsbild aus.

Anlagebedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Anlagebedingt kommt es bei Freileitungen zu weithin sichtbaren technischen Objekten, die visuell im Allgemeinen als störend und in ihrer Reihung als landschaftszerschneidend empfunden werden. Der visuelle Wirkraum ist von der Höhe des jeweiligen Mastes, seiner Exposition und von umgebenden Strukturen abhängig, die verschattend wirken können. Insbesondere naturnahe Landschaften oder historisch gewachsene Kulturlandschaften sind besonders empfindlich gegenüber Leitungstrassen, die zu einer Verunstaltung oder Zersiedelung und damit zu einer Minderung der landschaftlichen Qualität führen.

Auch die Leiterseile werden als naturfernes Element in der Landschaft wahrgenommen. Windsurren der Leiterseile kann unter bestimmten Windgeschwindigkeiten zu einem hörbaren Effekt in der Nähe von Freileitungen führen. Nebenanlagen können aufgrund ihrer Größe das Landschaftsbild zusätzlich beeinträchtigen.

Vorbelastungen können abschwächende oder verstärkende Wirkung auf die landschaftsästhetische Erheblichkeit des Eingriffs haben. Als Vorbelastungen kommen insbesondere bestehende Freileitungstrassen in Betracht, die sowohl ersetzt als auch ergänzt werden können. Darüber hinaus sind insbesondere andere mastenartige Eingriffe (zum Beispiel Kraftwerkstürme, Funktürme oder Windenergieanlagen) oder Bahnstromfernleitungen als Vorbelastungen anzusprechen.

Im direkten Trassenbereich von Erdkabeln dürfen keine tief wurzelnden Gehölze wachsen. Dadurch verbleibt in Gebüschen und Wäldern jeweils eine Schneise, die je nach Standort eine zerschneidende Wirkung in der Landschaft haben und den Trassenverlauf deutlich sichtbar machen.

Als Nebenbauwerke sind Muffenbauwerke, Tunnelbauwerke und wegen ihrer Höhe vor allem Kabelübergangsanlagen landschaftsbildrelevant.

Betriebsbedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Erstmalig anlagebedingt, im Folgenden auch während des Betriebs, wird die Freileitungstrasse unter den Leiterseilen und in deren Ausschwenkbereich von hohen Gehölzen freigehalten. Dadurch entstehen in geschlossenen Gehölzbeständen sichtbare Schneisen.

Die Masten werden turnusmäßig inspiziert. Zusätzlich werden die Freileitungen (unter anderem per Hubschrauber) auf Beschädigungen kontrolliert. Die dabei durch Lärm- und Abgasemissionen verursachten Störungen sind nur kurzfristig wahrnehmbar und übersteigen im Allgemeinen nur unwesentlich den Pegel der bestehenden Vorbelastungen und trüben somit nicht dauerhaft das Landschaftserleben.

Im Betrieb werden Korona-Geräusche im Allgemeinen als unangenehm empfunden und schränken in den der naturnahen Erholung dienenden Gebieten das Landschaftserleben im unmittelbaren Nahbereich der Leitung ein.

Während des Betriebs von Erdkabeln ist (in Abhängigkeit von Leiterquerschnitten, thermischen Eigenschaften von Bettungsmaterial und Boden sowie insbesondere der Auslastung des Kabels) Wärmeeinwirkung möglich, die kleinräumig Vegetation und Bodenlebewesen beeinflussen kann. Dies könnte sich dann durch die erhöhte Sichtbarkeit der Kabeltrasse auf das Landschaftsbild auswirken.

In Wäldern und Gehölzen, in denen aufgrund der betriebsbegleitenden Pflege-und Wartungsmaßnahmen eine Schneise zumindest ohne tief wurzelnde Pflanzen aufrechterhalten wird, ist der Trassenverlauf erkennbar und führt durch die zerschneidende Wirkung zu einer dauerhaften Beeinträchtigung im Landschaftsbild.