umgepflügter Boden mit Klee. Foto: Bundesnetzagentur

Boden

Der Boden ist ein komplexes Gut, das aufgrund seiner natürlichen und gesellschaftlichen Leistungen und Funktionen in einem besonderen Spannungsverhältnis steht.

Mit der Definition von Boden im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) besteht eine bundesweit gültige rechtliche Definition. Man versteht unter Boden die oberste Erdkruste, soweit sie bestimmte Bodenfunktionen erfüllt, einschließlich der flüssigen Bestandteile (Bodenlösung) und gasförmiger Bestandteile (Bodenluft), jedoch ohne Grundwasser und Gewässerbett (vergleiche § 2).

Die Schutzwürdigkeit des Bodens ergibt sich besonders aus seinen Leistungen und Funktionen für die Natur und die Gesellschaft, wie zum Beispiel:

  • Lebensgrundlage und -raum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen
  • Regler- und Speicherfunktionen zur Regulierung des Naturhaushalts
  • Filter- und Pufferfunktionen
  • Archivfunktionen (beispielsweise zum Erhalt historischer Natur- und Kulturgüter)
  • Nutzungsfunktionen (Rohstofflager, Siedlungs- und Erholungsflächen, Land- und Forstwirtschaft, Verkehr, Ver- und Entsorgung, wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen)

Seitens der Bundesregierung besteht das Ziel die künftige Neuflächeninanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf ungefähr 30 Hektar pro Tag zu reduzieren (Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung).

Der Bau, die Anlage und der Betrieb von Höchstspannungsleitungen können je nach technischer Ausführung (Freileitung oder Erdkabel) Auswirkungen auf das Schutzgut Boden haben. Diese können einerseits zeitlich begrenzt sein (zum Beispiel während der Bauphase durch Belastungen von Baustraßen und Erdaushub), andererseits aber auch dauerhafte Beeinträchtigungen und Bodenveränderungen zur Folge haben (beispielsweise Versiegelung von Böden durch Fundamente oder auch Kabeltrassen). Dabei spielt die Empfindlichkeit und Beschaffenheit der Böden eine besondere Rolle. In Anlehnung an das Bundebodenschutzgesetz (§ 17) sind demnach insbesondere feuchte verdichtungsempfindliche (beispielsweise Auen- und Moorböden) sowie erosionsgefährdete Böden (zum Beispiel eine flachgründige Rendzina in Hanglage) zu beachten.

Stand: 08.06.2016

Baubedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Beim Freileitungsbau treten die Auswirkungen auf das Schutzgut Boden überwiegend in der Bauphase auf. Im Umfeld der Baustellen und auf den Fahrwegen wird der Boden mit schweren Baufahrzeugen befahren. Dies kann zu Verdichtungen führen. Insbesondere feuchte und nasse Böden können schon bei einmaligem Überfahren mit schweren Baumaschinen geschädigt werden.

Neben der Verdichtung des Bodens besteht insbesondere bei geringmächtigen Böden und in Hanglagen das Risiko der Erosion. Neben der Umlagerung durch die Bauarbeiten kann der Erosionsprozess durch die Freilegung des Bodens (zum Beispiel durch Kahlschlag bei einer Trassenführung im Wald) gefördert werden.

Die Betroffenheit des Bodens ist in der Bauphase von Erdkabeln höher als beim Freileitungsbau. Für die Verlegung wird in der Regel die gesamte Kabeltrasse aufgegraben und muss für Transporte zugänglich sein. Abgrabung, Versiegelung, Bodenverdichtung und Bodenumlagerung können das Bodengefüge und den Bodenwasserhaushalt temporär, aber auch dauerhaft stören.

Um eine Rekultivierung der beim Verlegen von Erdkabeln umfangreichen Erdbewegungen zu ermöglichen, müssen die Bodenhorizonte während des Bodenaushubs sorgfältig getrennt gelagert und anschließend in ihrer natürlichen Schichtung wieder eingebaut werden. Dabei kommt es vor, dass ggf. nicht unerhebliche Mengen von Erdaushub und Abraum anfallen, die zum Teil nicht unmittelbar am Entstehungsort wieder eingebracht werden können.

Auch der Bodenwasserhaushalt kann bei Böden mit hoch anstehendem Grundwasserstand (zum Beispiel Niedermooren sowie Böden mit gespannten Grundwasserleitern) bei der Verlegung eines Erdkabels temporär, aber auch dauerhaft geschädigt werden.

Gasisolierte Leitungen (GIL) können am Boden, unterirdisch in Tunneln oder direkt im Erdreich verlegt werden, wofür der Boden aufgegraben werden muss. Die Trassenbreite der GIL ist geringer als bei vergleichbaren Kabelsystemen. Die Erdverlegung orientiert sich stark an der Verlegung von Öl-und Gaspipelines.

Anlagebedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Die Anlage von Freileitungen und die damit einhergehende Versiegelung führen zu einem dauerhaften Verlust der Bodenfunktion. Dies trifft vor allem auf die Mastfundamente und die Nebenanlagen zu. Darüber hinaus führen breite Schneisen in waldreichen Gebieten zu großräumigen Bodenveränderungen, insbesondere durch Austrocknung.

Witterungsbedingt kann es bei Freileitungsmasten zu Stoffeinträgen in den Bodenhaushalt kommen. Bis vor kurzem wurden blei- oder zinkhaltige Korrosionsschutzanstriche verwendet, die bei einem Eintrag den Boden erheblich belasten. Seit einigen Jahren werden für neue Masten jedoch feuerverzinkte und damit umweltfreundlichere Materialien eingesetzt.

Die Anlage von Erdkabeln wirkt sich ggf. durch die Bodenversiegelung nachteilig auf den Boden aus. Versiegelte Böden sind überbaute bzw. überdeckte Böden, die grundsätzlich als dauerhafte Bodenschädigung betrachtet werden können. Dies trifft vor allem auf die Nebenanlagen zu. Auf den versiegelten Flächen kommt es zu einem vollständigen Verlust der Lebensraum- und Archivfunktionen des Bodens.

Des Weiteren reduzieren die in den Boden eingebrachten Bettungsmaterialien (zum Beispiel Magerbeton und Kabelsand) die Masse des natürlich gewachsenen Bodens und die damit zusammenhängenden Bodenfunktionen.

Betriebsbedingte Auswirkungen von Höchstspannungsleitungen

Auswirkungen des Betriebs von Höchstspannungsleitungen auf den Boden spielen nur bei den Erdverlegungen eine Rolle. Durch die Erwärmung ist eine potenzielle Austrocknung des Bodens denkbar. Die Wärmeableitung eines Erdkabels wird üblicherweise mit Hilfe einer Magerbeton-Bettung reguliert und standortbezogen optimiert.

Die technische Auslegung des jeweiligen Höchstspannungskabels auf die zu erwartende Auslastung ist maßgeblich für die Wärmeableitung. Während des Betriebs erwärmt sich ein Höchstspannungskabel und gibt diese Wärme an das umgebende Erdreich ab. Bei den Auswirkungen der Verlustwärme spielt neben der thermischen Bettung die Bodenbeschaffenheit bzw. die Bodenart eine zentrale Rolle. Trockenere Böden transportieren die Wärme schlechter ab als feuchte Böden. Entscheidend für das Maß der Erwärmung ist die Auslegung des Kabels, welches der zu erwartenden Auslastung angemessen sein muss.

Bei gasisolierten Leitungen (GIL) entsteht im Betrieb wenig Wärme. Dies ermöglicht auch bei sehr hohen Übertragungsleistungen eine direkte Erdverlegung ohne die Grenztemperaturen für Bodenaustrocknung zu überschreiten. Die Wärmeabgabe an den umgebenden Boden kann bei Tunnelverlegung vernachlässigt werden.